Glossar
Glossar der Finanzplanung: die wichtigsten Begriffe aus FP&A, Planung und Controlling
Finanzplanung hat ihre eigene Sprache, halb Controlling, halb Rechnungslegung, mit einigen englischen Fachbegriffen. Dieses Glossar erklärt 45 Begriffe, die in Planungsrunden, Bankgesprächen und Planungssoftware immer wieder auftauchen — kurz, ohne Fachjargon und mit Verweis auf das Gesetz, wo eines gilt.
Stand: 2026-10-22
Grundbegriffe der Planung
Finanzplanung
Vorausschau auf Ergebnis, Vermögen und Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens für einen festgelegten Zeitraum, meist Monat für Monat. Sie übersetzt operative Annahmen in ihre finanziellen Folgen.
FP&A
Financial Planning and Analysis: die Aufgabe im Finanzbereich, die plant, prognostiziert, Abweichungen erklärt und die Geschäftsführung mit Zahlen für Entscheidungen versorgt. Im Mittelstand liegt sie oft beim Controlling oder bei der kaufmännischen Leitung.
Budget
Verbindlich beschlossener Plan für ein Geschäftsjahr, an dem sich Bereiche und Kostenstellen messen lassen. Nach der Freigabe bleibt es in der Regel unverändert, damit Abweichungen sichtbar bleiben.
Forecast
Aktualisierte Erwartung für einen Zeitraum, typischerweise das laufende Geschäftsjahr, aus gebuchten Ist-Monaten und überarbeiteter Planung für die restlichen Monate. Anders als das Budget wird er regelmäßig neu erstellt.
Rolling Forecast
Prognose mit gleitendem Horizont: Mit jedem abgeschlossenen Monat oder Quartal kommt ein weiterer Zeitraum am Ende hinzu, sodass immer gleich weit vorausgeplant wird. Auf Deutsch auch rollierende Planung oder rollierende Prognose.
Planungshorizont
Zeitraum, den ein Plan abdeckt. Gesetzlich relevant sind zwei Horizonte: 24 Monate als Regelzeitraum der Prognose bei drohender Zahlungsunfähigkeit (§ 18 Abs. 2 InsO) und zwölf Monate für die Fortführungsprognose im Rahmen der Überschuldung (§ 19 Abs. 2 InsO).
Top-down und Bottom-up
Top-down gibt die Geschäftsführung Ziele vor, die auf Bereiche heruntergebrochen werden; Bottom-up planen die Bereiche selbst, und die Summe ergibt den Gesamtplan. Beide Wege werden meist in einem Abgleich zusammengeführt, dem Gegenstromverfahren.
Planversion
Eingefrorener, datierter Stand eines Plans, etwa das freigegebene Budget oder der Forecast nach dem dritten Quartal. Versionen zeigen, wie sich Erwartungen über die Zeit verändert haben.
Modell, Treiber und Annahmen
Treiber
Operative Größe, aus der Planwerte folgen, etwa Absatzmenge, Preis, Zahl der Beschäftigten oder Umsatz je Vertriebsmitarbeiter. Ändert sich der Treiber, ändern sich alle davon abhängigen Positionen.
Treiberbasierte Planung
Planung, bei der Positionen über Formeln aus Treibern berechnet statt direkt eingetragen werden, zum Beispiel Umsatz gleich Menge mal Preis. So bleibt sichtbar, worauf eine Zahl beruht.
Annahme
Festgelegter Wert, auf dem der Plan beruht, etwa eine Preissteigerung von 3 % oder ein Zahlungsziel von 30 Tagen. Gute Modelle führen jede Annahme an genau einer Stelle und markieren fehlende Annahmen sichtbar.
Zirkelbezug
Formel, die direkt oder indirekt von ihrem eigenen Ergebnis abhängt, etwa Zinsen auf einen Kontostand, der selbst von diesen Zinsen abhängt. Planungsmodelle lösen das meist über einen Zeitversatz, zum Beispiel Zinsen auf den Saldo des Vormonats.
Saisonalität
Wiederkehrendes Muster innerhalb eines Jahres, etwa ein starkes viertes Quartal im Handel. Wer Jahresbeträge gleichmäßig auf zwölf Monate verteilt, übersieht saisonale Engpässe in der Liquidität.
Vollzeitäquivalent (FTE)
Stellenanteil im Verhältnis zu einer Vollzeitstelle, englisch Full-Time Equivalent. Wer 30 von 40 Wochenstunden arbeitet, zählt mit 0,75 FTE.
Kostenstelle
Organisatorischer Bereich, dem Kosten zugeordnet werden, etwa Vertrieb, Produktion oder Verwaltung. In der Planung ermöglicht sie Budgets und Plan-Ist-Vergleiche je Verantwortungsbereich.
Vertriebstrichter
Abbildung der Verkaufschancen nach Stufen mit Umwandlungsquoten, aus der sich ein erwarteter Umsatz ableitet; auch Pipeline genannt. Begrenzend wirkt oft die Vertriebskapazität, also wie viele Abschlüsse das Team bewältigen kann.
Ergebnis, Bilanz und Liquidität
Integrierte Finanzplanung
Planung, in der Ergebnisplan, Planbilanz und Liquiditätsplan rechnerisch verbunden sind. Jede Annahme wirkt zugleich auf Gewinn, Vermögen und Kasse, und die Bilanz geht in jeder Periode auf.
GuV-Plan
Geplante Gewinn- und Verlustrechnung, im HGB-Umfeld gegliedert nach § 275 HGB im Gesamtkosten- oder Umsatzkostenverfahren. Er zeigt Erträge, Aufwendungen und das geplante Ergebnis; auch Ergebnisplan genannt.
Planbilanz
Geplante Bilanz zu jedem Periodenende, gegliedert wie die Bilanz nach § 266 HGB. Sie zeigt, wie sich Anlagevermögen, Forderungen, Vorräte, Eigenkapital und Schulden durch den Plan verändern.
Kapitalflussrechnung
Darstellung der Zahlungsströme aus laufender Geschäftstätigkeit, Investition und Finanzierung. Die indirekte Methode startet beim Ergebnis, addiert Abschreibungen und korrigiert um die Veränderung von Forderungen, Vorräten und Verbindlichkeiten.
Liquiditätsplan
Plan der Ein- und Auszahlungen und des Kontostands je Periode. Er beantwortet, ob das Unternehmen jederzeit zahlen kann, während der Ergebnisplan den Gewinn zeigt.
Working Capital
Kurzfristig gebundenes Kapital, vereinfacht Forderungen plus Vorräte minus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Steigt es, bindet Wachstum Liquidität, selbst bei positivem Ergebnis.
Zahlungsziel
Frist zwischen Rechnung und Zahlung. Die Zahlungsziele von Kunden und Lieferanten bestimmen, wie weit Ergebnis und Zahlungsfluss zeitlich auseinanderliegen; als Kennzahl oft in Tagen ausgedrückt.
Lagerdauer
Durchschnittliche Zeit, die Vorräte im Lager liegen, bevor sie verbraucht oder verkauft werden. Eine längere Lagerdauer erhöht den Vorratsbestand in der Planbilanz und bindet Liquidität.
Mindestliquidität
Untergrenze für den Kassenbestand, die der Plan nicht unterschreiten soll. Ein geplantes Unterschreiten zeigt Höhe und Zeitpunkt eines Finanzierungsbedarfs.
Verlustvortrag
Steuerlicher Verlust aus früheren Jahren, der künftige Gewinne mindern kann. In der Planung senkt er die Ertragsteuer der Folgejahre; die Grenzen der Verrechnung klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.
Steuerung und Analyse
Plan-Ist-Vergleich
Gegenüberstellung geplanter und gebuchter Werte je Position und Periode. Aussagekräftig wird er, wenn Plan und Ist dieselbe Gliederung haben und sich Abweichungen bis aufs Konto verfolgen lassen.
Abweichungsanalyse
Erklärung der Differenz zwischen Plan und Ist nach Ursachen, etwa Menge, Preis oder zeitliche Verschiebung. Am Ende steht eine Entscheidung: Plan anpassen, gegensteuern oder die Abweichung akzeptieren.
Szenario
In sich stimmige Variante des Plans unter anderen Annahmen, etwa Verlust eines Großkunden oder steigende Zinsen. Szenarien zeigen die Spannbreite möglicher Ergebnisse.
Best Case, Base Case, Worst Case
Drei Standardszenarien: der Basisplan sowie ein günstiger und ein ungünstiger Fall. Einfach gerechnet entstehen sie über prozentuale Zu- und Abschläge auf Erträge und Aufwendungen, genauer über veränderte Treiber.
Sensitivitätsanalyse
Prüft, wie stark ein Ergebnis auf die Änderung einer einzelnen Annahme reagiert, etwa auf einen um 5 % niedrigeren Preis. Sie zeigt, welche Annahmen besonders sorgfältig belegt werden müssen.
EBITDA
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Keine Größe des HGB, aber verbreitet in Gesprächen mit Banken und Investoren; die verwendete Abgrenzung sollte immer genannt werden.
Deckungsbeitrag
Umsatz minus variable Kosten. Er zeigt, was ein Produkt, Kunde oder Auftrag zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
Break-even-Punkt
Menge oder Umsatz, bei dem das Ergebnis genau null ist. Fixkosten geteilt durch den Deckungsbeitrag je Stück ergibt die Menge, Fixkosten geteilt durch die Deckungsbeitragsquote den Umsatz.
Investition, Finanzierung und Kennzahlen
Kapitalwert
Summe aller auf heute abgezinsten Ein- und Auszahlungen einer Investition. Ein positiver Kapitalwert bedeutet, dass die Investition mehr als den Kalkulationszins verdient.
Interner Zinsfuß
Zinssatz, bei dem der Kapitalwert einer Investition null wird. Er drückt die Rendite des gebundenen Kapitals in Prozent aus.
Amortisationsdauer
Zeit, bis die Rückflüsse einer Investition die Anschaffung decken. Die statische Variante rechnet ohne, die dynamische mit Abzinsung.
Kalkulationszins
Mindestverzinsung, mit der Zahlungen in der Investitionsrechnung abgezinst werden, abgeleitet etwa aus Finanzierungskosten, der Renditeerwartung der Gesellschafter oder einem Mischsatz.
Annuitätendarlehen
Darlehen, bei dem jede Rate gleich hoch bleibt. Weil die Restschuld sinkt, enthält jede weitere Rate weniger Zins und mehr Tilgung. Daneben gibt es Ratentilgung mit konstanter Tilgung und endfällige Darlehen, die erst am Laufzeitende getilgt werden.
MRR, ARR und NRR
Kennzahlen wiederkehrender Umsätze: MRR ist der monatlich wiederkehrende Umsatz, ARR der auf ein Jahr hochgerechnete. NRR, die Netto-Umsatzbindung, setzt den wiederkehrenden Umsatz bestehender Kunden nach Ausweitungen, Herabstufungen und Kündigungen ins Verhältnis zum Ausgangswert.
CAC und LTV
CAC sind die Kosten, einen neuen Kunden zu gewinnen, etwa Vertriebs- und Marketingkosten geteilt durch die Zahl der Neukunden. LTV ist der Rohertrag, den ein Kunde über die gesamte Kundenbeziehung voraussichtlich bringt; das Verhältnis zeigt, ob sich Wachstum trägt.
Rule of 40
Faustregel für Software-Unternehmen: Umsatzwachstum in Prozent plus Ergebnismarge in Prozent sollen mindestens 40 ergeben. Welche Marge verwendet wird, etwa EBITDA oder freier Cashflow, ist nicht einheitlich.
Recht und Krise
Fortführungsprognose
Einschätzung, ob das Unternehmen fortgeführt werden kann. Im Jahresabschluss ist von der Fortführung auszugehen, sofern nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB); im Insolvenzrecht schließt eine überwiegend wahrscheinliche Fortführung in den nächsten zwölf Monaten die Überschuldung aus (§ 19 Abs. 2 InsO).
Drohende Zahlungsunfähigkeit
Liegt vor, wenn ein Unternehmen voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, bestehende Zahlungspflichten bei Fälligkeit zu erfüllen. In aller Regel ist dafür ein Prognosezeitraum von 24 Monaten zugrunde zu legen (§ 18 Abs. 2 InsO).
Krisenfrüherkennung
Nach § 1 StaRUG beobachten Geschäftsleiter laufend, was den Bestand des Unternehmens gefährden könnte, ergreifen bei Bedarf Gegenmaßnahmen und unterrichten die Überwachungsorgane. Eine gepflegte integrierte Planung ist dafür ein naheliegendes Hilfsmittel.
Die Begriffe in finanzplanung.io
- Treiber und Annahmen mit Zeitformeln wie vorher() und kumuliert(); Zirkelbezüge werden erkannt
- Planbilanz mit Zahlungszielen, Lagerdauer, Umsatzsteuer, Ertragsteuer mit Verlustvortrag und Mindestliquidität
- Plan-Ist-Vergleich jährlich und monatlich bis aufs Konto, rollierende Prognose für das erste Planjahr
- Best/Base/Worst und benannte Treiber-Szenarien, Planversionen zum Einfrieren und Vergleichen
- Rechner für Kapitalwert, internen Zinsfuß und Amortisation sowie für MRR, ARR, NRR, CAC, LTV und Rule of 40
- Zum Ausprobieren 7 Tage kostenlos, danach 150 € im Monat je Arbeitsbereich
Viele der Begriffe finden Sie in finanzplanung.io als Funktion wieder. Das Produkt plant Monat für Monat über 12 bis 60 Monate in einem Modell aus Treibern und Positionen und leitet aus dem GuV-Plan Planbilanz und indirekte Kapitalflussrechnung ab.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Budget und Forecast?
Das Budget ist der beschlossene Maßstab für das Jahr und bleibt nach der Freigabe stehen. Der Forecast ist die laufend aktualisierte Erwartung aus Ist und Restplan. Erst der Vergleich beider zeigt, ob das Jahr auf Kurs ist.
Was bedeutet FP&A auf Deutsch?
Wörtlich Finanzplanung und -analyse. Gemeint ist der Teil des Controllings, der nach vorn plant, Prognosen erstellt und Abweichungen zwischen Plan und Ist erklärt.
Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Liquiditätsplan?
Der Finanzplan im weiteren Sinn umfasst Ergebnis, Bilanz und Liquidität. Der Liquiditätsplan ist sein Zahlungsteil: Er zeigt Ein- und Auszahlungen und den Kontostand. Ein Plan kann Gewinn ausweisen und trotzdem eine Liquiditätslücke haben.
Wozu braucht man eine Planbilanz?
Sie zeigt, was der Plan mit Vermögen und Schulden macht: wie viel Kapital in Forderungen und Vorräten steckt, wie sich Eigenkapital und Darlehen entwickeln. Banken fragen danach, weil sich Kennzahlen wie Eigenkapitalquote oder Verschuldung nur aus der Bilanz ergeben.
Was heißt treiberbasiert planen?
Statt Beträge einzutippen, planen Sie die Größen, die sie verursachen, und lassen die Beträge rechnen. Ändert sich eine Annahme, etwa die Zahl der Vertriebsmitarbeiter, passt sich der Plan an allen betroffenen Stellen an.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- § 266 HGB — Gliederung der Bilanz
- § 275 HGB — Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung
- § 252 HGB — Abs. 1 Nr. 2: Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit
- § 18 InsO — Drohende Zahlungsunfähigkeit, Prognosezeitraum in aller Regel 24 Monate
- § 19 InsO — Überschuldung, Fortführung in den nächsten zwölf Monaten
- § 1 StaRUG — Krisenfrüherkennung und Krisenmanagement
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