Rolling Forecast
Rolling Forecast: wie Sie eine rollierende Planung im Unternehmen umsetzen
Ein Budget wird einmal im Jahr beschlossen und ist schon im Frühjahr von der Wirklichkeit überholt. Der Rolling Forecast ergänzt es um eine Prognose, die nach jedem Monats- oder Quartalsabschluss mit den neuesten Ist-Zahlen fortgeschrieben wird. Diese Seite erklärt die Varianten, den passenden Rhythmus und den Ablauf je Monat und rechnet ein Beispiel mit beiden Varianten durch.
Stand: 2026-10-22
Was ein Rolling Forecast ist — und was nicht
Budget und Forecast beantworten verschiedene Fragen. Das Budget sagt, was erreicht werden soll, und ist Grundlage für Ziele, Freigaben und Kostenstellenverantwortung. Der Forecast sagt, was nach heutigem Wissen voraussichtlich eintritt. Eine rollierende Planung (auch rollende Planung oder rollierende Finanzplanung genannt) hält diese zweite Sicht laufend aktuell, statt sie einmal im Jahr neu aufzusetzen.
Kein Rolling Forecast ist es, wenn das Budget einfach jeden Monat überschrieben wird. Dann verschwindet der Maßstab, an dem sich Abweichungen messen lassen. Ebenso wenig reicht es, Ist-Monate einzuspielen und den Rest unverändert stehen zu lassen: Der Kern des Forecasts ist die Neubewertung der kommenden Monate.
Für Kapitalgesellschaften mit Lagebericht kommt ein formaler Grund hinzu: Der Prognosebericht beurteilt die voraussichtliche Entwicklung, und DRS 20 empfiehlt dafür einen Prognosezeitraum von mindestens einem Jahr ab dem Abschlussstichtag. Und § 1 StaRUG verlangt von den Geschäftsleitern juristischer Personen, fortlaufend über bestandsgefährdende Entwicklungen zu wachen — ein aktueller Forecast ist dafür das naheliegende Werkzeug.
Die Varianten im Vergleich
Welche Variante passt, hängt davon ab, ob das Geschäftsjahr oder ein fester Blick nach vorn im Mittelpunkt steht.
| Variante | Horizont | Was nach jedem Abschluss passiert | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Prognose bis Jahresende (Ist plus Restplan, Hochrechnung) | schrumpft bis zum Geschäftsjahresende | Ist-Monat ersetzt Planmonat, verbleibende Monate werden neu geschätzt | Steuerung gegen das Jahresziel, Ergebnis- und Steuervorschau, Prognosebericht |
| 12 Monate rollierend | immer zwölf Monate | Ist-Monat fällt vorn heraus, ein neuer Monat wird hinten angehängt | Saisongeschäft, Liquidität und Personal über den Jahreswechsel |
| 18 Monate oder fünf Quartale rollierend | länger als ein Jahr | quartalsweise Fortschreibung, ein Quartal kommt hinzu | lange Vorlaufzeiten, Investitions- und Finanzierungsplanung |
| Quartals-Forecast bis Jahresende | Rest des Geschäftsjahres | Neuschätzung nach jedem Quartalsabschluss | kleinere Unternehmen mit stabilem Geschäft und wenig Planungskapazität |
Rhythmus und Detailtiefe festlegen
- Monatlich: bei saisonalem Geschäft, knapper Liquidität, schnell wechselnder Auftragslage oder Bankauflagen.
- Quartalsweise: bei stabilem Geschäft, langen Projektlaufzeiten oder kleinem Finanzteam.
- Anlassbezogen zusätzlich: bei Verlust eines Großkunden, starken Preisänderungen im Einkauf oder einer neuen Finanzierung.
Der Rhythmus folgt dem Abschluss: Wer monatlich einen verlässlichen Monatsabschluss hat, kann monatlich forecasten. Ohne zeitnahe Ist-Zahlen wird der Forecast zur Schätzung auf einer Schätzung. Für Aktiengesellschaften gibt § 90 Abs. 2 AktG einen Mindestrhythmus für die Berichte an den Aufsichtsrat vor — über den Gang der Geschäfte mindestens vierteljährlich, über die Unternehmensplanung mindestens einmal jährlich.
Bei der Detailtiefe gilt: nah fein, fern grob. Die nächsten drei Monate lohnen eine Prognose je Kunde, Projekt oder Warengruppe, die Monate danach eine Fortschreibung über Treiber und Quoten. Wer jeden Monat sämtliche Kostenarten einzeln neu schätzt, gibt den Forecast nach wenigen Runden auf.
Beispiel: Prognose bis Jahresende nach dem März-Abschluss
Fiktives Unternehmen, Geschäftsjahr gleich Kalenderjahr 2027, Beträge in Euro.
Das Budget 2027 sieht 100.000 € Umsatz je Monat vor, also 1.200.000 € im Jahr. Der Deckungsbeitrag liegt bei 45 % des Umsatzes, die Fixkosten bei 38.000 € im Monat; geplant ist damit ein Betriebsergebnis von 7.000 € je Monat oder 84.000 € im Jahr.
Nach dem März-Abschluss liegen drei Ist-Monate vor: 92.000 €, 95.000 € und 98.000 € Umsatz, zusammen 285.000 € und damit 15.000 € unter Budget. Der Vertrieb sieht die Erholung als stabil an und schätzt April bis Juni mit 99.000 € und Juli bis Dezember mit 101.000 € je Monat. Deckungsbeitragsquote und Fixkosten bleiben unverändert.
| Zeitraum | Umsatz Budget | Umsatz Ist/Forecast | Betriebsergebnis Budget | Betriebsergebnis Ist/Forecast |
|---|---|---|---|---|
| Januar bis März (Ist) | 300.000 | 285.000 | 21.000 | 14.250 |
| April bis Juni (Forecast 99.000 je Monat) | 300.000 | 297.000 | 21.000 | 19.650 |
| Juli bis Dezember (Forecast 101.000 je Monat) | 600.000 | 606.000 | 42.000 | 44.700 |
| Geschäftsjahr 2027 | 1.200.000 | 1.188.000 | 84.000 | 78.600 |
| Abweichung zum Budget | −12.000 (−1,0 %) | −5.400 |
Dieselbe Lage als 12-Monats-Forecast
Im rollierenden 12-Monats-Forecast reicht der Horizont nach dem März-Abschluss von April 2027 bis März 2028. Die neun Monate bis Dezember sind identisch mit der Prognose bis Jahresende. Hinzu kommen Januar bis März 2028, für die der Vertrieb 103.000 € je Monat schätzt; die Fixkosten steigen zum Jahreswechsel wegen einer Tariferhöhung auf 39.000 € je Monat.
Damit ergibt sich für die nächsten zwölf Monate ein Umsatz von 1.212.000 € (903.000 € plus 309.000 €) und ein Betriebsergebnis von 86.400 € (64.350 € plus dreimal 7.350 €). Diese Sicht ist für die Personal- und Liquiditätsplanung über den Jahreswechsel hilfreich, beantwortet aber nicht die Frage nach dem Jahresergebnis 2027. Viele Unternehmen führen deshalb beide Sichten nebeneinander.
| Zeitraum | Umsatz | Fixkosten je Monat | Betriebsergebnis |
|---|---|---|---|
| April bis Juni 2027 | 297.000 | 38.000 | 19.650 |
| Juli bis Dezember 2027 | 606.000 | 38.000 | 44.700 |
| Januar bis März 2028 | 309.000 | 39.000 | 22.050 |
| Summe nächste zwölf Monate | 1.212.000 | 86.400 |
Prognosegüte messen statt nur fortschreiben
Ein Rolling Forecast wird erst wertvoll, wenn man weiß, wie gut er trifft. Dafür wird jeder Forecast-Stand eingefroren und später mit dem Ist verglichen. Im Beispiel hatte der Forecast nach dem März-Abschluss für April 99.000 € erwartet; tatsächlich wurden 97.000 € erreicht. Die Abweichung von 2.000 € entspricht rund 2,1 % des Ist-Werts.
Wichtiger als ein einzelner Monat ist die Richtung über mehrere Runden. Liegt der Forecast regelmäßig über dem Ist, ist er zu optimistisch; liegt er regelmäßig darunter, werden Reserven eingebaut. Beides lässt sich nur erkennen, wenn alte Stände nicht überschrieben werden.
Rollierende Planung umsetzen: der Ablauf je Monat
Beispielhafter Zeitplan in Arbeitstagen nach Monatsende; die Tage hängen vom eigenen Monatsabschluss ab.
| Zeitpunkt | Schritt | Verantwortlich |
|---|---|---|
| Arbeitstag 1 bis 5 | Monatsabschluss in der Buchhaltung, Abgrenzungen buchen, Ist-Monat festschreiben | Rechnungswesen |
| Arbeitstag 6 | Ist ins Planungsmodell übernehmen, Abweichungen zu Budget und letztem Forecast ermitteln | Controlling |
| Arbeitstag 7 bis 8 | Treiber aktualisieren: Auftragsbestand, Preise, Personal, Investitionen | Bereichsverantwortliche |
| Arbeitstag 9 | Forecast rechnen, Liquidität und Kreditlinie prüfen, bei Bedarf Szenarien | Controlling |
| Arbeitstag 10 | Besprechung, Maßnahmen beschließen, Forecast-Stand freigeben und einfrieren | Geschäftsführung |
Typische Stolpersteine
- Das Budget wird überschrieben: Dann fehlt der Maßstab, und jede Abweichung verschwindet nach einem Monat.
- Zu viel Detail: Wenn jede Kostenart jeden Monat neu geschätzt wird, sinkt die Bereitschaft der Bereiche, mitzuarbeiten.
- Forecast als Verhandlungsmasse: Wird der Forecast an Ziele oder Boni gekoppelt, werden Reserven eingebaut, und die Prognose verliert ihren Zweck.
- Ist kommt zu spät: Ohne zeitnahen Monatsabschluss wird jeder Forecast-Lauf zur Schätzung über bereits vergangene Monate.
- Nur Ergebnis, keine Liquidität: Eine rollierende Ergebnisprognose ohne Bilanz- und Liquiditätswirkung übersieht Engpässe aus Forderungen, Vorräten und Investitionen.
- Keine Treiber: Wer Beträge statt Mengen, Preise und Quoten fortschreibt, kann Abweichungen nicht erklären.
So geht es mit finanzplanung.io
- Plan-Ist-Abweichung jährlich und monatlich, mit Aufriss bis aufs Konto
- Planstände als Version einfrieren und gegen den aktuellen Stand vergleichen — so lässt sich die Prognosegüte nachhalten
- KI-Prognose je GuV-Position aus mehrjährigen festgeschriebenen Ist-Zahlen, mit Konfidenz und Begründung, als Prognose-Plan übernehmbar
- Grenze: Ein eigener Import monatlicher Ist-Zahlen aus Kanzlei Software ist nicht vorgesehen; das Ist kommt über Buchhaltung oder Jahresabschluss auf der Plattform
finanzplanung.io bildet die Variante bis Jahresende ab: Die rollierende Prognose besteht aus den gebuchten Ist-Monaten plus dem Plan für den Rest des ersten Planjahres. Die Ist-Zahlen kommen laufend und monatlich aus der Buchhaltung auf der Plattform oder jährlich aus dem festgeschriebenen Jahresabschluss. Das Modell umfasst 12 bis 60 Monate; ist es länger als ein Jahr angelegt, stehen die Monate nach dem Jahresende bereits als Plan im selben Modell.
Häufige Fragen
Was ist ein Rolling Forecast?
Ein Rolling Forecast ist eine Prognose, die nach jedem Monats- oder Quartalsabschluss mit Ist-Zahlen und aktualisierten Annahmen fortgeschrieben wird. Er zeigt, wo das Geschäftsjahr oder die nächsten zwölf Monate nach heutigem Wissen voraussichtlich enden. Auf Deutsch spricht man von rollierender Planung, rollierender Finanzprognose oder rollierendem Forecast.
Ersetzt der Rolling Forecast das Budget?
In den meisten Unternehmen nicht. Das Budget bleibt als beschlossener Maßstab für Ziele und Kostenverantwortung bestehen, der Forecast zeigt die aktuelle Erwartung daneben. Manche Unternehmen verzichten ganz auf ein festes Jahresbudget und steuern nur über rollierende Prognosen; das setzt aber klare Ziele auf anderem Weg voraus.
Wie oft sollte der Forecast aktualisiert werden?
So oft, wie verlässliche Ist-Zahlen vorliegen und Entscheidungen davon abhängen — meist monatlich, bei stabilem Geschäft quartalsweise. Zusätzlich lohnt eine Aktualisierung bei wesentlichen Ereignissen wie dem Verlust eines Großkunden. Ein monatlicher Forecast ohne zeitnahen Monatsabschluss bringt wenig.
Was ist der Unterschied zwischen Forecast und Hochrechnung?
Die Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet. Eine Hochrechnung schreibt häufig nur das bisherige Ist auf das Jahr hoch, etwa drei Monate mal vier. Ein Forecast bewertet die kommenden Monate dagegen neu, mit aktuellen Aufträgen, Preisen und Personalständen.
Wie weit sollte eine rollierende Finanzprognose reichen?
Für die Steuerung des Geschäftsjahres bis zum Jahresende, für Liquidität und Personal oft zwölf Monate. Für den Prognosebericht im Lagebericht empfiehlt DRS 20 mindestens ein Jahr ab dem Abschlussstichtag. In einer Krise gelten insolvenzrechtlich eigene Zeiträume, die Fachleute beurteilen sollten.
Wie hängt eine rollierende Absatzplanung mit dem Finanz-Forecast zusammen?
Die rollierende Absatzplanung liefert die Mengen, der Finanz-Forecast macht daraus Umsatz, Wareneinsatz, Bestände und Zahlungen. Am besten fließen die Absatzmengen als Treiber direkt ins Finanzmodell ein. Dann ändert eine neue Absatzschätzung automatisch Ergebnis und Liquidität.
Welche Daten braucht ein Rolling Forecast?
Den abgeschlossenen Ist-Monat aus der Buchhaltung, das Budget als Vergleich und aktuelle Treiberwerte: Auftragsbestand, Preise, Personalstand, geplante Investitionen und Finanzierung. Für die Liquiditätssicht kommen offene Forderungen und Verbindlichkeiten hinzu. Je mehr davon automatisch einfließt, desto geringer ist der Aufwand je Runde.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- DRS 20 Konzernlagebericht (DRSC) — Prognosezeitraum mindestens ein Jahr ab Abschlussstichtag; Empfehlung zur entsprechenden Anwendung auf den Lagebericht nach § 289 HGB
- § 1 StaRUG — Fortlaufende Überwachung bestandsgefährdender Entwicklungen durch die Geschäftsleiter
- § 90 AktG — Berichte des Vorstands: Unternehmensplanung mindestens jährlich, Gang der Geschäfte mindestens vierteljährlich
- § 289 HGB — Abs. 1: Beurteilung der voraussichtlichen Entwicklung im Lagebericht samt Annahmen
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