Plan-Ist-Vergleich
Plan-Ist-Abweichungsanalyse: Abweichungen nach Ursachen zerlegen statt nur ausweisen
Ein Plan-Ist-Vergleich zeigt, dass das Ergebnis vom Plan abweicht. Die Abweichungsanalyse zeigt, warum — und erst damit lässt sich etwas entscheiden. Diese Seite erklärt die Grundformeln für Preis-, Mengen-, Verbrauchs- und Kostenabweichungen und rechnet ein vollständiges Beispiel bis zur Ergebnisbrücke durch.
Stand: 2026-10-22
Plan-Ist-Vergleich und Abweichungsanalyse: zwei Schritte
Der Plan-Ist-Vergleich stellt Planwerte und Ist-Werte je Position nebeneinander und weist die Differenz aus, absolut und in Prozent. Das ist der erste Schritt und für viele Positionen auch genug: Eine Abweichung von 300 € bei den Bürokosten braucht keine Ursachenforschung.
Bei den großen Positionen beginnt die Abweichungsanalyse. Sie fragt, welcher Teil der Differenz auf Mengen, Preise, Verbräuche oder Fixkosten entfällt. Erst dann ist klar, wer handeln kann: der Vertrieb bei Menge und Preis, die Produktion beim Verbrauch, der Einkauf beim Einkaufspreis. Für Aktiengesellschaften ist die Begründung von Abweichungen sogar gesetzlich angelegt: § 90 Abs. 1 Nr. 1 AktG verlangt, in den Berichten an den Aufsichtsrat auf Abweichungen der tatsächlichen Entwicklung von früher berichteten Zielen unter Angabe von Gründen einzugehen.
Die Grundformeln der Abweichungsanalyse
Vorzeichen: positiv bedeutet beim Umsatz günstig, bei Kosten ungünstig.
| Abweichungsart | Formel | Aussage |
|---|---|---|
| Mengenabweichung Umsatz | (Ist-Menge − Plan-Menge) × Planpreis | Wirkung des Mehr- oder Minderabsatzes |
| Preisabweichung Umsatz | (Ist-Preis − Planpreis) × Ist-Menge | Wirkung höherer oder niedrigerer Verkaufspreise |
| Soll-Kosten (flexibler Plan) | Ist-Menge × Plan-Verbrauch je Stück × Plan-Einkaufspreis | was die tatsächliche Menge laut Plan kosten durfte |
| Beschäftigungseffekt variable Kosten | Soll-Kosten − Plan-Kosten | Kostenänderung allein durch die andere Menge |
| Verbrauchsabweichung | (Ist-Verbrauch − Soll-Verbrauch) × Plan-Einkaufspreis | Mehr- oder Minderverbrauch, etwa Ausschuss |
| Einkaufspreisabweichung | (Ist-Einkaufspreis − Plan-Einkaufspreis) × Ist-Verbrauch | Wirkung teurerer oder günstigerer Beschaffung |
| Fixkostenabweichung | Ist-Fixkosten − Plan-Fixkosten | Mehr- oder Minderausgaben unabhängig von der Menge |
Beispiel Teil 1: Umsatz in Menge und Preis zerlegen
Fiktives Unternehmen, ein Produkt, ein Monat, Beträge in Euro.
Geplant waren 10.000 Stück zu 20 €, also 200.000 € Umsatz. Tatsächlich wurden 9.000 Stück zu 21 € verkauft, 189.000 €. Die Gesamtabweichung von −11.000 € sieht moderat aus, verdeckt aber zwei gegenläufige Effekte: Der Vertrieb hat einen höheren Preis durchgesetzt und dabei 1.000 Stück Absatz verloren.
Die Mengenabweichung bewertet die 1.000 fehlenden Stück mit dem Planpreis von 20 €. Die Preisabweichung bewertet den Euro Mehrpreis mit der tatsächlich verkauften Menge von 9.000 Stück. Beide zusammen ergeben genau die Gesamtabweichung.
| Größe | Plan | Ist | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Menge | 10.000 Stück | 9.000 Stück | −1.000 Stück |
| Preis je Stück | 20,00 € | 21,00 € | +1,00 € |
| Umsatz | 200.000 € | 189.000 € | −11.000 € |
| davon Mengenabweichung: −1.000 × 20 € | −20.000 € | ||
| davon Preisabweichung: +1 € × 9.000 | +9.000 € |
Beispiel Teil 2: Materialkosten mit flexiblem Plan
Geplant waren 2,0 kg Material je Stück zu 4,00 € je kg, also 80.000 € für 10.000 Stück. Tatsächlich wurden für 9.000 Stück 18.900 kg verbraucht (2,1 kg je Stück) und zu 4,20 € eingekauft, zusammen 79.380 €. Gegen den starren Plan liegt das Material damit 620 € unter Plan — scheinbar ein Erfolg.
Der flexible Plan zeigt das richtige Bild. Für 9.000 Stück hätte das Material laut Plan nur 72.000 € kosten dürfen (9.000 × 2,0 kg × 4,00 €). Die Minderkosten von 8.000 € sind reiner Mengeneffekt. Dagegen stehen 3.600 € Mehrverbrauch (900 kg zu viel zu 4,00 €) und 3.780 € Mehrkosten im Einkauf (0,20 € mehr auf 18.900 kg). Produktion und Einkauf haben also zusammen 7.380 € über Soll verursacht.
| Stufe | Rechnung | Betrag | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Plan-Kosten | 10.000 × 2,0 kg × 4,00 € | 80.000 € | |
| Soll-Kosten | 9.000 × 2,0 kg × 4,00 € | 72.000 € | Beschäftigungseffekt −8.000 € |
| Ist-Verbrauch zu Planpreis | 18.900 kg × 4,00 € | 75.600 € | Verbrauchsabweichung +3.600 € |
| Ist-Kosten | 18.900 kg × 4,20 € | 79.380 € | Einkaufspreisabweichung +3.780 € |
| Summe gegen Plan | −620 € |
Die Ergebnisbrücke vom Plan zum Ist
Nimmt man noch den Personalaufwand hinzu — geplant 50.000 €, tatsächlich 52.000 € —, sinkt das Ergebnis von geplanten 70.000 € auf 57.620 €. Die Brücke ordnet die Differenz von 12.380 € den Ursachen zu. Der Mengeneffekt erscheint dabei zusammengefasst: 1.000 Stück weniger mal 12 € geplanter Deckungsbeitrag je Stück (20 € Preis minus 8 € Material) ergeben 12.000 €.
| Schritt | Betrag | Verantwortlich |
|---|---|---|
| Plan-Ergebnis (200.000 − 80.000 − 50.000) | 70.000 € | |
| Mengeneffekt auf den Deckungsbeitrag | −12.000 € | Vertrieb |
| Verkaufspreisabweichung | +9.000 € | Vertrieb |
| Verbrauchsabweichung Material | −3.600 € | Produktion |
| Einkaufspreisabweichung Material | −3.780 € | Einkauf |
| Mehraufwand Personal | −2.000 € | Geschäftsführung |
| Ist-Ergebnis (189.000 − 79.380 − 52.000) | 57.620 € |
Reihenfolge der Bewertung und die gemischte Abweichung
Wenn sich Menge und Preis gleichzeitig ändern, gibt es einen Teil der Abweichung, der beiden zugleich zuzurechnen ist — die Abweichung zweiter Ordnung oder gemischte Abweichung. Im Beispiel beträgt sie −1.000 € (1.000 Stück weniger mal 1 € Mehrpreis). Die hier verwendeten Formeln schlagen sie der Preisabweichung zu, weil diese mit der Ist-Menge gerechnet wird. Rechnet man die Preisabweichung mit der Planmenge, ergeben sich +10.000 € Preisabweichung und −1.000 € gemischte Abweichung.
Keine der Varianten ist falsch, wichtig ist nur, dass das Unternehmen sich auf eine festlegt und sie jeden Monat gleich anwendet. Sonst wandern Beträge zwischen Vertrieb und Einkauf hin und her, ohne dass sich in der Sache etwas geändert hat.
Wesentlichkeit, Rhythmus und typische Fehler
- Wesentlichkeitsgrenzen festlegen, etwa: Erläuterung nur, wenn eine Position um mehr als 5 % und mehr als 5.000 € abweicht. Die Werte sind ein Beispiel, kein Standard.
- Monatlich vergleichen, kumuliert seit Jahresbeginn und für den einzelnen Monat; Quartalsvergleiche kommen oft zu spät.
- Abgrenzungen beachten: Aufwand und Ertrag gehören nach § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB in die Periode, zu der sie wirtschaftlich gehören. Fehlen im Monatsabschluss Abgrenzungen, etwa für Jahresprämien oder Urlaub, entstehen scheinbare Abweichungen.
- Gleiche Gliederung: Plan und Ist müssen auf denselben Konten oder Positionen stehen; die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB ist ein guter gemeinsamer Nenner.
- Nicht gegen den starren Plan urteilen, wenn sich die Menge stark verändert hat — sonst wirkt jeder Absatzrückgang wie Kostendisziplin.
- Jede wesentliche Abweichung endet mit einer Entscheidung: Maßnahme, Anpassung des Forecasts oder bewusste Hinnahme.
So geht es mit finanzplanung.io
- Kostenstelle je Position und Auswertung je Bereich
- KI-Copilot für Fragen in normaler Sprache zu Plan, Ist und Abweichung
- PDF-Bericht mit Plan, Ist und Abweichung, KI-Kommentar für Beirat, Management oder Bank nur aus den Zahlen
- Grenzen: kein eigener Import monatlicher Ist-Zahlen aus Kanzlei Software; der Plan lässt sich je Kostenstelle auswerten, nicht je Produkt, Region oder Kunde; die Plan-Ist-Abweichung zeigt Positionen und Konten
In finanzplanung.io kommen die Ist-Zahlen aus dem festgeschriebenen Jahresabschluss auf der Plattform (jährlich) oder laufend und monatlich aus der Buchhaltung auf der Plattform. Die Plan-Ist-Abweichung steht jährlich und monatlich bereit, mit Aufriss bis aufs Konto; eine KI-Abweichungsanalyse fasst die Ursachen als Text zusammen.
Häufige Fragen
Was ist eine Plan-Ist-Abweichungsanalyse?
Eine Plan-Ist-Abweichungsanalyse vergleicht geplante und tatsächliche Werte und zerlegt die Differenz in ihre Ursachen, etwa Menge, Preis, Verbrauch und Fixkosten. Sie geht damit über den reinen Plan-Ist-Vergleich hinaus, der nur die Differenz ausweist. Ziel ist, jede wesentliche Abweichung einer Ursache und einer verantwortlichen Stelle zuzuordnen.
Wie berechnet man Preis- und Mengenabweichung?
Die Mengenabweichung ist die Differenz aus Ist-Menge und Plan-Menge, bewertet mit dem Planpreis. Die Preisabweichung ist die Differenz aus Ist-Preis und Planpreis, multipliziert mit der Ist-Menge. Im Beispiel ergeben −1.000 Stück mal 20 € und +1 € mal 9.000 Stück zusammen die Umsatzabweichung von −11.000 €.
Was ist eine Abweichung zweiter Ordnung?
Ändern sich zwei Größen gleichzeitig, entsteht ein Teil der Abweichung aus dem Zusammenwirken beider, die Abweichung zweiter Ordnung. Sie wird je nach Methode einer der beiden Abweichungen zugeschlagen oder getrennt ausgewiesen. Entscheidend ist, die gewählte Methode durchgängig beizubehalten.
Welche Finanzplattform unterstützt Plan-Ist-Analysen von Budgets?
Achten Sie darauf, dass die Ist-Zahlen ohne Handarbeit aus der Buchhaltung kommen, Abweichungen monatlich und kumuliert sichtbar sind und sich bis auf das einzelne Konto aufreißen lassen. finanzplanung.io übernimmt das Ist monatlich aus der Buchhaltung oder jährlich aus dem Jahresabschluss auf der Plattform jahresabschluss.io und zeigt die Abweichung bis aufs Konto, ergänzt um eine KI-Abweichungsanalyse als Text. Liegt Ihre Buchhaltung außerhalb der Plattform, etwa in Kanzlei Software, gibt es keinen eigenen Import monatlicher Ist-Zahlen.
Wie oft sollte ein Plan-Ist-Vergleich erstellt werden?
In der Regel monatlich nach dem Monatsabschluss, mit Blick auf den einzelnen Monat und auf die Summe seit Jahresbeginn. Kleine Unternehmen mit stabilem Geschäft kommen oft mit einem Quartalsvergleich aus. Aktiengesellschaften müssen dem Aufsichtsrat nach § 90 Abs. 2 AktG mindestens vierteljährlich über den Gang der Geschäfte berichten.
Ab wann ist eine Abweichung wesentlich?
Für die interne Steuerung legt jedes Unternehmen seine Wesentlichkeitsgrenze selbst fest. Üblich ist eine Kombination aus Prozent- und Betragsgrenze, damit weder kleine Positionen mit hohen Prozentsätzen noch große Positionen mit kleinen Prozentsätzen untergehen. Wichtig ist, die Grenze vorab festzulegen und nicht nachträglich.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- § 90 AktG — Abs. 1 Nr. 1: Abweichungen von früher berichteten Zielen unter Angabe von Gründen; Abs. 2: Berichtsrhythmus
- § 275 HGB — Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung als gemeinsame Struktur für Plan und Ist
- § 252 HGB — Abs. 1 Nr. 5: periodengerechte Zuordnung von Aufwand und Ertrag
- § 1 StaRUG — Fortlaufende Überwachung bestandsgefährdender Entwicklungen
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