Arten von Rücklagen nach HGB
Das Eigenkapital kennt verschiedene Rücklagenarten mit unterschiedlichen Regeln.
Kapitalrücklage
Gesetzliche Rücklage
Satzungsmäßige Rücklagen
Andere Gewinnrücklagen
Rücklage für Anteile an einem herrschenden Unternehmen
Abgrenzung zu Rückstellungen
Bildung und Auflösung von Rücklagen
Die Regeln für Zuführung und Entnahme unterscheiden sich je nach Rücklagenart.
Die Kapitalrücklage wird von den Gesellschaftern gespeist – sie entsteht bei der Gründung (Agio) oder durch spätere Zuzahlungen. Bei der AG ist sie teilweise gesetzlich gebunden (§ 150 AktG), bei der GmbH darf sie im Rahmen der Kapitalerhaltung aufgelöst werden.
Gewinnrücklagen werden aus dem Jahresüberschuss gebildet. Der Gesellschafterbeschluss über die Gewinnverwendung bestimmt, wie viel in Rücklagen fließt und wie viel ausgeschüttet wird. Die gesetzliche Rücklage (bei AGs) hat dabei Vorrang.
Die Auflösung von Rücklagen erhöht den Bilanzgewinn und damit den ausschüttungsfähigen Betrag. Bei der GmbH entscheidet die Gesellschafterversammlung über die Auflösung anderer Gewinnrücklagen.
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Was gehört in die Kapitalrücklage nach § 272 Abs. 2 HGB?
In die Kapitalrücklage gehören Mittel, die Gesellschafter zusätzlich zum gezeichneten Kapital von außen zuführen. Das Gesetz unterscheidet vier Fälle; bei der GmbH kommen eingeforderte Nachschüsse hinzu, die dort gesondert ausgewiesen werden (§ 42 Abs. 2 GmbHG).
| Nr. | Inhalt | Typischer Fall |
|---|---|---|
| 1 | Aufgeld (Agio), wenn neue Anteile teurer als zum Nennbetrag ausgegeben werden | Ein Investor übernimmt bei einer Kapitalerhöhung einen neuen Geschäftsanteil über 5.000 € und zahlt dafür 105.000 € – 100.000 € gehen in die Kapitalrücklage. |
| 2 | Betrag für Wandlungs- und Optionsrechte aus Schuldverschreibungen | vor allem Aktiengesellschaften, die Wandel- oder Optionsanleihen begeben |
| 3 | Zuzahlungen gegen Gewährung eines Vorzugs für die Anteile | Gesellschafter zahlen zusätzlich, um zum Beispiel einen Gewinnvorzug zu erhalten |
| 4 | andere Zuzahlungen in das Eigenkapital | freiwilliger Zuschuss eines GmbH-Gesellschafters ohne Gegenleistung |
Beispiel zu Nr. 4: Die Gesellschafterin einer GmbH überweist 30.000 € mit der Bestimmung, das Eigenkapital zu stärken. Buchung: Bank 30.000 € an Kapitalrücklage durch Zuzahlungen in das Eigenkapital (SKR03 0844, SKR04 2928) 30.000 €. Die GuV bleibt unberührt; Einstellungen in die Kapitalrücklage werden schon bei der Aufstellung der Bilanz vorgenommen (§ 270 Abs. 1 HGB). Steuerlich wird der Betrag im steuerlichen Einlagekonto erfasst (§ 27 KStG).
Anders als bei der AG, wo die Kapitalrücklagen nach Nr. 1 bis 3 bis zu einer Mindesthöhe gebunden sind (§ 150 AktG), darf eine GmbH eine aufgelöste Kapitalrücklage ausschütten, solange das zur Erhaltung des Stammkapitals erforderliche Vermögen nicht angegriffen wird (§ 30 Abs. 1 GmbHG). Die Auflösung läuft über das Konto „Entnahmen aus der Kapitalrücklage“ (SKR03 2795, SKR04 7730) und erhöht den Bilanzgewinn.
Pflichtrücklage der UG nach § 5a Abs. 3 GmbHG
Eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) muss jedes Jahr ein Viertel ihres Jahresüberschusses, gemindert um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr, in eine gesetzliche Rücklage einstellen (§ 5a Abs. 3 GmbHG). Eine Obergrenze wie bei der AG gibt es nicht. Die Pflicht entfällt erst, wenn die UG ihr Stammkapital auf mindestens 25.000 € erhöht (§ 5a Abs. 5 GmbHG).
Verwenden darf die UG die Rücklage nur für eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln (§ 57c GmbHG), zum Ausgleich eines Jahresfehlbetrags, den kein Gewinnvortrag aus dem Vorjahr deckt, und zum Ausgleich eines Verlustvortrags aus dem Vorjahr, den kein Jahresüberschuss deckt. Eine Ausschüttung der Rücklage ist ausgeschlossen.
Rechenbeispiel: Jahresüberschuss 2025 12.000 €, Verlustvortrag aus 2024 2.000 €. Bemessungsgrundlage 12.000 € − 2.000 € = 10.000 €, davon ein Viertel = 2.500 €. Buchung bei Aufstellung des Abschlusses: Einstellungen in die gesetzliche Rücklage (SKR03 2496, SKR04 7765) an Gesetzliche Rücklage (SKR03 0846, SKR04 2930) 2.500 €. Weil die Bilanz damit unter teilweiser Verwendung des Ergebnisses aufgestellt wird, zeigt sie statt Jahresüberschuss und Verlustvortrag einen Bilanzgewinn von 12.000 € − 2.000 € − 2.500 € = 7.500 € (§ 268 Abs. 1 HGB). Ein Gewinnvortrag erhöht die Bemessungsgrundlage nicht; maßgeblich ist allein der Jahresüberschuss abzüglich eines Verlustvortrags. Zum Nachrechnen: UG-Rücklage-Rechner.
Rücklage, steuerfreie Rücklage oder Rückstellung?
Die drei Begriffe klingen ähnlich, bezeichnen aber Posten mit ganz unterschiedlicher Wirkung: Rücklagen nach HGB sind Eigenkapital, steuerfreie Rücklagen gibt es nur in der steuerlichen Gewinnermittlung, Rückstellungen sind Fremdkapital. In die Handelsbilanz dürfen steuerfreie Rücklagen seit dem BilMoG nicht mehr übernommen werden; steuerlich bleiben sie möglich, weil steuerliche Wahlrechte unabhängig von der Handelsbilanz ausgeübt werden (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EStG).
| Posten | Wo er steht | Woraus er entsteht | Wirkung auf den Gewinn |
|---|---|---|---|
| Kapital- und Gewinnrücklagen | Handelsbilanz, Eigenkapital | Zuzahlungen der Gesellschafter oder einbehaltene Gewinne | keine – Veränderungen erscheinen erst unterhalb des Jahresergebnisses (§ 275 Abs. 4 HGB) |
| Steuerfreie Rücklagen (etwa § 6b EStG oder die Ersatzbeschaffungsrücklage, R 6.6 EStR) | nur in der Steuerbilanz oder steuerlichen Überleitung | aufgedeckte stille Reserven, die auf ein Ersatz- oder Reinvestitionsgut übertragen werden sollen | mindern den steuerlichen Gewinn vorübergehend; die Steuer wird aufgeschoben, nicht erlassen |
| Rückstellungen (§ 249 HGB) | Handelsbilanz, steuerlich mit Einschränkungen; Fremdkapital | ungewisse Verbindlichkeiten, drohende Verluste, bestimmte unterlassene Instandhaltung | Bildung ist Aufwand |
Beispiel § 6b EStG: Eine GmbH verkauft ein seit mehr als sechs Jahren gehaltenes unbebautes Betriebsgrundstück für 230.000 € ohne Veräußerungskosten; der Buchwert beträgt 80.000 €. Handelsrechtlich entsteht ein sonstiger betrieblicher Ertrag von 150.000 €. Steuerlich kann die GmbH diesen Gewinn in eine Rücklage nach § 6b Abs. 3 EStG einstellen und binnen vier Wirtschaftsjahren auf ein neues Grundstück oder Gebäude übertragen, bei neu hergestellten Gebäuden unter Umständen binnen sechs. Bleibt die Reinvestition aus, wird die Rücklage aufgelöst; der Gewinn erhöht sich zusätzlich um 6 % des Betrags je vollem Wirtschaftsjahr ihres Bestehens (§ 6b Abs. 7 EStG).
Im Alltag meint „Rücklage“ oft Geld auf einem Sparkonto, etwa für eine erwartete Steuernachzahlung. Bilanziell ist das eine Rückstellung, sofern eine Verpflichtung besteht, sonst schlicht Bankguthaben.
Weiterführende Seiten
Bilanz erstellen | Gewinnverwendung | Lexikon: Eigenkapital | Lexikon: Gewinnvortrag | Lexikon: Eigenkapitalspiegel